Samstag, 31. Mai 2014

Das Gefrimsel

Bei dem rechts abgebildeten Photo handelt es sich um Seetang, der sich in einem gesplissenen Tau verfangen hat - man könnte aber genauso gut ausrufen :
"Was ist denn das für ein Gefrimsel?"

Das Gefrimsel ist jedenfalls ein Wort, das es eigentlich gar nicht gibt. Es existiert quasi nicht offiziell, steht nicht im Duden und wird im Internet sehr eigenwillig, vor allem als Synonym für "Gefriemel" oder im Sinne eines überflüssigen Zubehörs benutzt.

Das Gefrimsel ist also schwer einzuordnen - doch ich sehe eine bedeutende Zukunft für dieses ungewöhnliche Wort vorher! Es hört sich so schön an, phonetisch kriegt es die volle Punktzahl! Und es birgt Potential - ist vielfältig einsetzbar z. B. als plüschiges Kissen mit Gefrimsel dran oder eben auch ganz anders, der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt ...:-)

Freitag, 30. Mai 2014

Saippuakivikauppias

Saippuakivikauppias ist finnisch, heißt Seifensteinverkäufer* und gilt als das längste Palindrom der Alltagssprache.

Ein Palindrom ist eine Zeichenkette, die von vorn und von hinten gelesen gleich bleibt,
wie z.B. bei Otto, Retter, Reittier, Rentner, Lagerregal u.a.. Zu den Palindromen zählen aber auch Worte, die vorwärts und rückwärts gelesen eine unterschiedliche Bedeutung bekommen z.B.: Leben - Nebel oder Lager - Regal.

In der deutschen Sprache hat es der Reliefpfeiler zum längsten deutschen Ein-Wort-Palindrom geschafft und somit Eingang ins Guinness-Buch der Rekorde gefunden. Dieses Wortpalindrom besitzt als kunstgeschichtlicher Terminus keine besondere Bedeutung. Das Kompositum gilt aber als ein bemerkenswertes Palindrom, weil ein langes Einwort-Palindrom in der deutschen Sprache selten ist. Länger ist sonst nur noch der Retsinakanister, der aber auch bloß für eine kleine Zielgruppe relevant ist :-)

Es gibt auch Satzpalindrome und am schönsten finde ich :
Eine güldne, gute Tugend: Lüge nie!

Palindrome müssen nicht zwangsläufig nur aus Buchstaben bestehen. So gibt es etwa Zahlenpalindrome, die von vorne oder hinten gesehen denselben Wert ergeben (etwa 2442), Musik-Palindrome, Primzahl-Palindrome, Datumspalindrome, Zeitpalindrome und palindromische Sequenzen in der Genetik.

*Ein Seifensteinverkäufer steht nicht etwa am Eingang der berühmten finnischen Saunen, sondern verkauft den Werkstoff "Speckstein", der für die Herstellung von Kunst- und Alltagsgegenständen verwendet wird : http://de.wikipedia.org/wiki/Speckstein

Donnerstag, 29. Mai 2014

Sinnspruch

Diesen Spruch habe ich ganz besonders gerne, denn er ist ein ungemein hilfreicher Abwehrzauber gegen überzogene Selbstkritik und einen Hang zum Perfektionismus !

Die innere kritische Stimme, die uns immer mal wieder einflüstern will, dass wir nicht gut genug sind, uns noch mehr anstrengen sollten, wir etwas noch besser hinkriegen müssten, etwas noch nicht perfekt genug sei oder wir dieses oder jenes auf keinen Fall hätten sagen oder tun dürfen; - wir kennen sie wohl alle zur Genüge :-)

Warum sind wir denn bloß oft so kritisch uns selbst gegenüber? Dafür gibt es sicherlich mehrere Gründe. Unsere Gesellschaft ist sehr wettbewerbsorientiert, daher streben wir unermüdlich danach, in allen Bereichen überdurchschnittlich zu sein. Wenn wir scheitern, schlägt Selbstbewusstsein rasch in Selbstzweifel um. Außerdem glauben wir selbstkritisch sein zu müssen, um uns zu motivieren. Und wir haben die Kritik, der wir in jungen Jahren ausgesetzt waren, etwa von den Eltern, tief verinnerlicht. Statt ermutigend, freundlich und liebevoll fürsorglich mit uns umzugehen, machen wir uns oft das Leben zusätzlich schwer.

"IS MIR EGAL, ICH LASS DAS JETZT SO!" kann helfen, alt bekannte Quälgeistergedanken mit Humor ziehen zu lassen :-)

Mittwoch, 28. Mai 2014

Brieftaube

Die Brieftaube ist ein fliegendender Bote und somit ein schriftnahes Tier. Die bei der Taubenpost angestellten Brieftauben befördern schriftliche Mitteilungen. Diese Art der Briefbeförderung war bereits in der Antike weit verbreitet. In der Neuzeit fand sie zunächst nur für militärische Zwecke Verwendung. Im 19. Jahrhundert wurden jedoch immer mehr Brieftaubenlinien für zivile Zwecke eingerichtet. Es kam mancherorts sogar zur Ausgabe eigener Taubenpostbriefmarken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Taubenpost fast vollständig von modernen Telekommunikationsmitteln verdrängt.
Die Brieftauben wurden arbeitslos, konnten sich aber als "Rennpferde des kleinen Mannes", wie sie im Volksmund auch gerne genannt werden, in sportlichen Wettbewerben ein neues Betätigungsfeld schaffen. Vereinzelt wird auch berichtet, dass Brieftauben höchst effektiv in den Grenzgebieten rund um die Niederlande als Drogenkuriere eingesetzt werden ...

Dienstag, 27. Mai 2014

Gelassenheitsgebet

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
  den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
  und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

wird dem US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr zugeschrieben 


Du kannst nicht verhindern,
dass die Vögel der Besorgnis über deinen Kopf fliegen.
Aber du kannst verhindern,
dass sie in deinem Kopf ein Nest bauen. 

Chinesische Weisheit

Montag, 26. Mai 2014

Erhaschen oder erheischen ?

"Immer wieder stehen Zuschauer auf, um einen Blick auf den so tief Gestürzten zu erheischen."
So steht's am Mittwoch, den 3. August 2011 auf Spiegel-Online und es ist leider falscher Sprachgebrauch ! http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,778217,00.html

Aber das kann ja mal vorkommen, wenn man mit einem seltenen, auch schon ein wenig veralteten Verb des gehobenen Sprachgebrauchs Aufmerksamkeit erheischen möchte :-) Und so muss es oben richtigerweise heißen "einen Blick auf den so tief Gestürzten zu erhaschen."

Erhaschen heißt: "etwas (gerade noch) wahrnehmen können", "etwas durch plötzliches Zugreifen fangen" oder "sich unter Anstrengungen in den Besitz von etwas bringen".
Wir erhaschen also einen Blick auf etwas, erhaschen einen Schmetterling oder ein besonderes Schnäppchen im Ausverkauf.

Synonyme zu erheischen sind jedoch "wollen; erfordern; nötig haben; verlangen".
Wir erheischen Glanz und Ruhm, Ehre, Aufmerksamkeit, Ehrfurcht, Anerkennung, Zustimmung, Mitleid und manchmal auch den Blick von jemandem, z.B. den der Bedienung, damit wir endlich unseren Cappuccino bezahlen können ...

Sonntag, 25. Mai 2014

Wie ergötzlich ...

Für Vergnügen und Zerstreuung - also Ergötzung - sorgt heute Wilhelm Busch mit seiner kleinen Bildergeschichte, die sich den Vergnüglichkeiten des Ehelebens widmet:

Eheliche Ergötzlichkeiten

Ein schönes Beispiel, dass obiges wahr,
Bieten Herr und Frau Knopp uns dar.
Hier ruht er mit seiner getreuen Dorette
Vereint auf geräumiger Lagerstätte.
Früh schon erhebt man die Augenlider
Lächelt sich an und erkennt sich wieder,
Um alsobald mit einem süßen
Langwierigen Kusse sich zu begrüßen.

Wilhelm Busch, Tobias Knopp, Kapitel 44